Zwei fidele Findelkinder

Tiere – Reutlinger Paar zieht Frischlinge auf einem Bauernhof groß. Die jungen Wildschweine fühlen sich dort sauwohl

 

VON HEIKE KRÜGER

REUTLINGEN. Ramona Frey und ihr Lebensgefährte Felix Wiedemann haben echt Schwein. Genau genommen haben sie das seit dem 26. Februar. Denn an diesem kalten Wintertag sind der selbstständige Gartenbauer und die Zahnarzthelferin zu Zieheltern zweier Frischlinge geworden.

Herausgefischt haben sie die damals etwa eine Woche alten Minis aus dem Breitenbach –unterkühlt und mutterseelenallein. Weshalb Felix Wiedemann nicht lange fackelte. Beherzt schnappte sich der Reutlinger die Tierle und brachte sie in die heimischen vier Wände; nicht wissend, dass das von Gesetz wegen verboten ist.

»Jagdwilderei« nennt sich dieser Straftatbestand. Was der ebenso tierliebe wie ahnungslose Reutlinger alsbald lernen sollte; nämlich nachdem er Kontakt mit der Polizei, später auch mit dem für den Fundort zuständigen Jagdpächter aufgenommen hatte. »Der war ganz und gar nicht begeistert«, sagt Felix Wiedemann. Immerhin sei zu diesem Zeitpunkt ja unklar gewesen, ob sich die Muttersau nicht doch noch in der Nähe des Breitenbachs rumtreibt und dortselbst womöglich nach ihrem Nachwuchs fahndet.

Nun, sie tat es nicht. »Definitiv«, wie Jagdpächter Matthias Bögle weiß. Bis in die Nacht hinein hatte er an fraglichem Abend das Terrain per Wärmebildkamera abgesucht. Die Bache blieb jedoch verschwunden, und die Säuglingsschweine durften in der Obhut, sprich Notbetreuung, von Felix Wiedemann und Ramona Frey bleiben. Denn andernfalls wären die Frischlinge dem sicheren Tod geweiht gewesen mangels Nahrung und Wärme.


»Wir haben sie im Badezimmer einquartiert«, verrät der Gartenbauer, der zusammen mit seiner Partnerin und deren zwei Kindern sowie mit seinem Vater Wolfgang Wiedemann auf dem ehemaligen Bauernhof seiner Großeltern lebt. Vielmehr: Das landwirtschaftliche Anwesen ist seit etwa einem Jahr aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst worden. Erst hielten Hunde, Katzen und Hühner ihren Einzug, dann Gänse, Ziegen, Kaninchen und Pfauen.
Die beiden Schweinchen machen die Menagerie inzwischen komplett. Wiewohl Ramona Frey zunächst wenig Neigung verspürte, den Part einer Frischlings-Amme zu übernehmen. Nach Lektüre einiger Internet-Artikel war ihr nämlich blitzartig klar geworden, dass die Aufzucht von Wildschweinen ein durchaus ambitioniertes Unterfangen ist. »Alle zwei Stunden«, erklärt. sie, »wollen die Babys gefüttert werden und fordern das auch lautstark ein.« Nachtruhe also vorübergehend gestrichen!

»Wir wollen die beiden nicht mehr missen«

Immerhin: Der tierische Familienzuwachs zeigte sich kooperativ. Sofort nahmen die zwischenzeitlich auf »Lotte« und »Tilda« getauften Schwestern die ihnen per Fläschchen gereichte Ziegenmilch - »wir hatten spontan nichts anderes zur Hand« - an. Ebenso das im Badezimmer postierte Katzenklo. »Schweine sind ausgesprochen reinliche Tiere«, haben die Zieheltern des Duos erfahren dürfen. Und das wiederum beeinflusste die Entscheidung »behalten oder weggeben« positiv.

Beim Pressebesuch machen Lotte und Tilda Siesta. Im Ziegenstall haben sich die Findelkinder aneinandergekuschelt, ohne dass die übrigen Mitbewohner darüber irgendwas zu meckern hätten. Bald vier Monate alt sind die Schweinchen jetzt, kerngesund und gut Freund mit den übrigen Zwei- und Vierbeinern des Wiedernann-Hofes. Wenn sie nicht gerade vor sich hindösen, sind die Schwestern fidel und neugierig. Gerne stecken sie ihre Rüssel in Locher, Nischen und Taschen beknabbern den Kameragurt des GEA-Kollegen, suhlen sich zwischendurch mal ausgiebig in einem Wasserloch und sind für Streicheleinheiten grundsätzlich gerne zu haben. Mehr noch: Sie fordern das Kraulen sogar offensiv ein.

All das übrigens mit behördlichem Segen. Zumal sich jüngst eine Tiermedizin des Veterinäramts über den physischen Zustand der Frischlinge und deren Lebensbedingungen vor Ort kundig gemacht hat.

Auszusetzen hatte die Kontrolleurin nichts, war vielmehr voll des Lobes. »Da ist uns ein Stein vom Herzen gefallen«, bekennt Ramona Frey. Zumal der ärztlichen Stippvisite ein böses, vor allem aber feiges Vorspiel vorausgegangen war: eine anonyme Anzeige.

Unbekannte hatten behauptet, dass die Frischlinge nicht artgerecht untergebraucht seien, dass ihnen zu wenig Platz zur Verfügung stehe. Im Raum stand der Vorwurf der Tierquälerei. Indes: Das Gegenteil ist der Fall. Ob im Stall oder drum herum – an Fläche mangelt es nicht.

Und wenn die Jungtiere erst mal zu ausgewachsenen Bachen herangereift sind, gibt’s auf dem 70 Ar großen Areal rund ums Bauernhaus hinlänglich Möglichkeiten, Lotte und Tilda so unterzubringen, dass sie sich sauwohl fühlen.

Ob sie als Erwachsene auch noch die Gassigänge von Ramona Frey und deren zwei Jagdhunden begleiten werden? Man wird sehen. Denn schon jetzt scheuen manche Flaneure zurück, wenn sie des ungewöhnliche Quintetts gewahr werden. Das Gros der Passanten freilich ist begeistert. Manche kommen seither sogar zu Besuch auf den Bauernhof. Darunter Kindergartengruppen aus dem nahe gelegenen Hohbuch, darunter aber auch Nachbarn, von denen einige die Aufzucht der Frischlinge mit Geldspenden unterstützen. »Wir wollen die beiden nicht mehr missen«, sagt Ramona Frey und erläutert, dass Tilda und Lotte längst von der Aufzuchtmilch – sie wird bloß noch zugefüttert  – auf feste Nahrung umgestiegen sind. Ausdauernd grubeln sie im Erdreich, um eiweißreiche Würmer, Larven und Insekten aufzustöbern und zu vernaschen. Mit Vergnügen futtern sie außerdem Mais. Weshalb Felix Wiedemann bereits ein Feld angelegt hat, um das sonnengelbe Getreide im Herbst aus eigenem Anbau verfüttern zu können.

Kein Zweifel: Lotte und Tilda hatten Gluck und haben es immer noch. Denn die Patchwork-Familie Wiedemann/Frey ist fest entschlossen, ihre zwei Schweine zu behalten. Auswildern lassen sich von Menschen großgezogene Frischlinge nämlich nicht. Zu sehr sind sie auf ihre Zweibeiner fixiert, als dass sie in der freien Natur Anschluss an Artgenossen fänden. Selbst in Wildgehegen tun sie sich schwer und werden von deren Betreibern deshalb oft abgelehnt.

Es ist also eine nicht unerhebliche Verantwortung, die Ramona Frey und Felix Wiedemann seit dem 26 Februar übernommen haben. Allerdings eine, die das Paar, ja, die gesamte Familie, rundum glücklich macht. (GEA)

Felix Wiedemann, Ramona Frey, Wolfgang Wiedemann und Louisa Kühner (von links) kümmern sich mit Herzblut um die beiden Frischlinge.

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